Müssen wir uns damit jetzt abfinden? War es das mit den Wochenenden, oder haben wir noch eine Chance?
Die Journalistin Katrina Onstad hat zu genau diesem Thema ein Buch geschrieben. Das Buch heißt „The Weekend Effect“ (auf Englisch erhältlich) und dort stellt Onstad ganz deutlich klar: Nein, so darf es nicht bleiben. Wir müssen uns unsere Wochenenden zurückerobern. Aber wie?
Zunächst erklärt Onstad, woher das überhaupt kommt, mit dem Wochenende. Wozu die arbeitsfreie Zeit eigentlich mal gut war und wie es so einreißen konnte. Wir sind natürlich auch ein Stück weit selber schuld. Mittlerweile, viele von uns erleben das schmerzhaft, wird es als Ausweis großer Fähigkeiten gesehen, möglichst viel zu arbeiten. Ständig im Stress zu sein. Wer so richtig reinhaut und an die eigenen Belastungsgrenzen geht, der wird als wahrer Held der Arbeit erfahren.
Das klingt übertrieben, aber ein bisschen was von diesem Glauben steckt in fast allen. Und so kommt es, dass wir die Wochenenden nicht mehr richtig ernst nehmen. Wir legen das Smartphone kaum aus der Hand und selbst wenn wir nicht mit Arbeit beschäftigt sind, dann wischen wir durch die sozialen Netzwerke, schauen uns Bilder an, lesen Artikel kurz durch…und kommen nicht zur Ruhe.
Aber selbst wenn wir so mit Freunden interagieren, es tut uns auf Dauer nicht gut. Was uns hingegen gut tut, sind echte Kontakte. Echte Treffen, wie Onstad schreibt: “Ohne echte Interaktion, geht der ´Teil unseres Selbst unter, der nur hochkommt, wenn er mit echten Menschen in Kontakt steht.”
Aber was tun?
Laut Onstad ist zum Einen der Gesetzgeber gefragt. Hier sollte der Staat tätig werden und für mehr Freizeitausgleich bei Arbeitnehmern sorgen. Schließlich ist eine Work-Life-Balance nicht nur eine Frage, die Unternehmen etwas angeht. Letzten Endes ist es eine Frage, die das Gemeinwohl betrifft.
Zum Anderen sind wir aber auch selbst gefragt. Denn wir haben es in der Hand, aus unserem Wochenende eine runde Sache zu machen. Onstad schlägt vor, wir sollten uns mehr mit altruistischen Dingen beschäftigen. Aber auch mit kreativem Input. In ein Museum gehen. Ganz befreit und voller Bewunderung Kunst anschauen. Sich sozial engagieren. Ausführlich essen. Dinge tun, für die wir uns im Alltag nie die Zeit nehmen würden: Stundenlang brunchen, beispielsweise. In die Natur gehen. Ganz ekstatisch tanzen. Nichtstun. Sich um andere kümmern. Zuhören. Weghören. Dösen.
Denn bei einer Work-Life-Balance sollte ja eigentlich nicht das Ziel sein, einfach fit für die Arbeit zu werden. Sondern fit für’s Leben.
von Gereon von Ehrenfeld
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