Die Erreichbarkeit für den Job nimmt ständig zu. Personal
Trainerin Marlise Rüegger sagt im Interview, wie Arbeitnehmer dennoch unnötigen
Stress vermeiden und was beim Abschalten hilft.
Eine repräsentative Studie von Swisscom und 20 MinutenOnline zeigt, dass immer mehr Arbeitnehmer auch in der Freizeit für den Job
arbeiten. Wo die Gefahren dabei liegen und was man tun kann, damit man durch
die hohe Erreichbarkeit nicht verschlissen wird, verrät die Personal Trainerin
Marlise Rüegger im Interview.
Wird die Zahl von Burnout-Opfern bald noch massiv ansteigen?
Marlies Rüegger: Defintiv. Es wird einen deutlichen Trend nach oben geben. Wenn der Mensch seinen Tag nicht selber wirklich streng strukturiert und Arbeit und Freizeit trennt, dann läuft er zwangsläufig Gefahr, in Erschöpfungszustände zu verfallen. Wer diese ersten Zeichen der Erschöpfung übergeht, wandert zielgerade Richtung Burnout.Merkwürdigerweise sagen aber 83 Prozent der Befragten, dass ihre psychische Gesundheit absolut gut sei. Ist das ein Trugschluss?
Mit Sicherheit. Die Erfahrung zeigt: Nur etwa 20 Prozent schaffen es, ihren Tag so zu strukturieren, dass die Erholungsphasen und Zeit zum Abspannen nicht zu kurz kommen. Die anderen 80 Prozent der Arbeitnehmer und Selbständigen verlieren sich schnell in der Arbeit. Das Fatale daran: Oft merken sie es gar nicht, weil der Ortswechsel weg vom Büro hin zum Balkon verschleiert, dass man beim Beantworten von Mails oder bei geschäftlichen Anrufen immer noch arbeitet.Führt Ihrer Erfahrung nach die Verquickung von Freizeit und Job überhaupt zu mehr Stress?
Das lässt sich nicht leugnen. Mit dem Smartphone oder dem iPad nehmen viele Angestellte quasi ihr ganzes Büro mit nach Hause. Da wird es schnell zum Zwang, immer wieder nachzuschauen, ob neue Mails eingetroffen sind. Ich erlebe es in der Praxis oft, dass Arbeitnehmer 16 Stunden fortlaufend Impulse erhalten, die mit dem Job zu tun haben. Das geht auf Dauer nicht gut.Wie viel Erreichbarkeit für den Job ist denn aus Ihrer Erfahrung überhaupt verträglich?
Ab 10 Stunden pro Tag wird es gefährlich bei permanenter Belastung. Spätestens nach drei Monaten meldet sich dann der Körper.In Deutschland gibt es einen Vorstoss von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Sie will, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter künftig per Gesetz vor zu viel Stress durch Dauererreichbarkeit fürs Geschäft schützen müssen. Was halten Sie von dem Vorschlag?
Das finde ich super und kann ich nur unterstützen. Unternehmen haben eine
Verantwortung für ihre Mitarbeiter, denn sie fordern und profitieren von ihnen.
Wenn sie den Bogen überspannen, muss letztlich die Gesellschaft die Folgen
tragen. So müssen zum Beispiel Krankenkassen für die Behandlung von Burnouts
aufkommen. Hier müssen Unternehmen mehr in die Pflicht genommen werden.
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